Hoffnung allein verändert die Welt nicht, aber sie kann der Anstoß sein, aktiv zu werden. Die IKEM Academy 2026 wollte genau diesen Impuls setzen: Eine Woche lang diskutierten Teilnehmende aus 18 Ländern über die Herausforderungen der Transformation und die Chancen, die in ihr liegen. Anika Nicolaas Ponder spricht im Interview darüber, wie der Titel „Climate Spark“ entstanden ist und warum gerade internationale Begegnungen und gemeinsames Lernen neue Motivation schaffen können.
Das Leitthema der diesjährigen Academy war der „Climate Spark“. Was bedeutet dieser Begriff für dich persönlich und was steckt dahinter?
Der „Climate Spark“ steht für Hoffnung und den Glauben daran, dass Veränderung möglich ist. Er beschreibt die Energie und Entschlossenheit, die Menschen antreibt, sich auch in schwierigen Zeiten weiter für den Klimaschutz einzusetzen. Der Begriff entstand für uns in den Jahren 2024 und 2025. Die geopolitische Lage wurde immer herausfordernder, der Klimaschutz erlitt Rückschläge und viele Menschen, die sich beruflich oder ehrenamtlich dafür engagieren, waren zunehmend frustriert. Auch die Academy selbst musste ein Jahr ohne Förderung auskommen. In dieser Situation wurde der Titel zu einem bewusst gesetzten Zeichen der Hoffnung: Der Climate Spark ist ein kleiner Funke, der Menschen ermutigt, dranzubleiben und weiter für eine lebenswerte Zukunft zu arbeiten.
Worauf hast du bei der Entwicklung des Programms sowie bei der Auswahl der Referierenden und Themen geachtet?
Ein besonderes Merkmal der Academy ist ihr interdisziplinärer Ansatz. Die Teilnehmenden kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern, Fachrichtungen und beruflichen Kontexten. Entsprechend verschieden sind auch ihre Perspektiven und Vorkenntnisse. Deshalb ist es uns wichtig, zunächst ein gemeinsames Verständnis der großen Zusammenhänge zu schaffen. Erst darauf aufbauend beschäftigen wir uns mit konkreten Lösungsansätzen und Handlungsmöglichkeiten, etwa Energiegenossenschaften oder Climate Storytelling.
Da ich die Academy bereits seit vielen Jahren organisiere, kann ich auf ein gewachsenes Netzwerk spannender Referent:innen zurückgreifen. Bei der Programmgestaltung geht es immer darum, vertraute und neue Stimmen zusammenzubringen und unterschiedliche Perspektiven auf Klimaschutz erlebbar zu machen.
Quelle: IKEM
Quelle: IKEM Die Teilnehmenden kamen in diesem Jahr aus 18 verschiedenen Ländern. Wie prägen diese internationalen Perspektiven die Diskussionen und die Atmosphäre der Academy?
Internationale Perspektiven machen die Diskussionen unglaublich bereichernd. Wenn man mit Menschen aus anderen Ländern und Lebensrealitäten ins Gespräch kommt, merkt man schnell, dass die eigene Sicht auf die Dinge nicht selbstverständlich ist. Bei der Academy kommt dazu noch die Vielfalt der Fachrichtungen, die von Ingenieurwissenschaften über Recht bis hin zu Politik und Kommunikation reicht. Diese Mischung führt zu spannenden Diskussionen, neuen Ideen und einem Verständnis dafür, wie unterschiedlich die Herausforderungen und Chancen des Klimaschutzes weltweit wahrgenommen werden.
Ein zentrales Element der Academy waren die praxisorientierten Workshops. Warum war es wichtig, diese Formate in das Programm aufzunehmen?
In den vergangenen Jahren haben wir beobachtet, dass sich die Erwartungen der Teilnehmenden verändert haben. Früher war die Academy stärker von Vorträgen geprägt. In den Evaluationen wurde jedoch deutlich, dass sich viele mehr Möglichkeiten wünschen, selbst aktiv zu werden und miteinander ins Gespräch zu kommen. Deshalb haben wir partizipative Formate stärker in das Programm integriert. Die Workshops bieten Raum, Themen zu vertiefen, neue Dinge auszuprobieren und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Ich glaube fest daran, dass nachhaltiges Lernen vor allem dann entsteht, wenn Menschen selbst aktiv werden. Umso schöner war es zu sehen, mit wie viel Begeisterung die Teilnehmenden diese Angebote angenommen haben.
Quelle: IKEM
Quelle: IKEM Gab es einen Moment während der Woche, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Es gab viele besondere Momente. Besonders gefreut hat mich zu sehen, wie schnell die Teilnehmenden miteinander in Kontakt gekommen sind. Schon nach wenigen Tagen entstanden Gespräche und Begegnungen, als würden sie sich schon lange kennen. Beeindruckend war auch, die vielen großartigen Referierenden zu erleben. Kate McKenzie hat gezeigt, wie verständlich selbst komplexe rechtliche Fragen vermittelt werden können. Und Damaris Agweyu hat mit der Geschichte ihrer Mutter einen sehr bewegenden und persönlichen Einblick gegeben. Ein weiteres Highlight war die Zusammenarbeit im Team. Alle haben sich gegenseitig unterstützt und dazu beigetragen, dass die Academy so reibungslos und erfolgreich stattfinden konnte.
Jetzt wo die Academy zu Ende ist: Wie können wir den „Climate Spark“ weitertragen?
Die Academy sollte Menschen zusammenbringen, Begegnungen schaffen und den Austausch von Ideen ermöglichen. Jetzt kommt es darauf an, diesen Impuls mitzunehmen und im Alltag weiterzutragen, sei es im beruflichen Umfeld, im Freundeskreis oder in der Familie. Gerade angesichts der vielen Herausforderungen fällt es manchmal schwer, optimistisch zu bleiben. Gleichzeitig gibt es gute Gründe, Hoffnung zu haben: Viele der Lösungen und Technologien, die wir für die Transformation brauchen, sind bereits vorhanden. Entscheidend ist, dass wir sie nutzen und gemeinsam voranbringen. Ich mag die Vorstellung, dass jede und jeder, der die Academy besucht hat, einen kleinen „Climate Spark“ mitgenommen hat. Wenn wir diesen Funken weitergeben, kann daraus etwas viel Größeres entstehen.
Quelle: IKEM