Philine Wedell ist seit Februar 2026 gemeinsam mit Susan Wilms Geschäftsführerin des IKEM. Im Interview sprechen wir mit ihr über ihre neue Aufgabe und ihre Pläne für das Institut. Aber auch darüber, was Akzeptanz für die Energiewende bedeutet und welche Rolle die interdisziplinäre Forschung am IKEM spielt.
Philine, willkommen am IKEM! Was sind deine ersten Aufgaben als Geschäftsführerin?
Wedell: Ich freue mich sehr auf die neue Rolle und die anstehenden Aufgaben. Am IKEM vereinen wir in Belegschaft, Vorstand und Beirat einen großen Schatz an Expertise und können zugleich auf starke Partnerschaften in unseren Projekten zurückgreifen. Zu meinen ersten Aufgaben zählt daher, die Mitarbeitenden sowie das Netzwerk des IKEM kennenzulernen, mit ihnen in den Austausch zu treten und die Zusammenarbeit weiter zu verstetigen und zu vertiefen.
Wie sieht die Zusammenarbeit mit der anderen IKEM-Geschäftsführerin Susan Wilms aus?
Wedell: Mit unseren unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen – Susan ist Juristin und ich bin Wirtschaftsingenieurin – ergänzen wir uns sehr gut und führen das IKEM gemeinsam und gleichberechtigt. Viele Aufgaben werden wir zusammen angehen, gleichzeitig hat jede von uns ihren Schwerpunkt: Während Susan vorwiegend interne Prozesse steuern wird und die IKEM-Präsenz in Nordrhein-Westfalen ausbaut, widme ich mich der Netzwerkpflege und möchte das IKEM als unabhängiges Forschungsinstitut im energie- und verkehrspolitischen Diskurs noch sichtbarer machen.
Hast du konkrete Pläne, die du verwirklichen möchtest?
Wedell: Ein zentrales Anliegen ist für mich die weitere Stärkung der interdisziplinären Forschung am IKEM. Die Herausforderungen in Klimaschutz, Energie- und Verkehrswende sind komplex. Erst wenn volkswirtschaftliche, sozio-ökonomische und juristische Perspektiven systematisch zusammengeführt werden, lassen sich dieser Komplexität angemessene Lösungsstrategien entwickeln. Ein konkretes Beispiel sind Akzeptanzfragen beim Ausbau der erneuerbaren Energien: Gut ausgestaltete regulatorische Vorgaben können eine wichtige Grundlage bilden, aber Zustimmung zu neuen Wind- und Solarparks kann weder einfach gekauft noch per Gesetz verordnet werden. Das IKEM hat hierzu bereits in verschiedenen Projekten geforscht und im Austausch mit Energiewirtschaft, Zivilgesellschaft und weiteren Stakeholdern praxistaugliche Ansätze entwickelt, die Teilhabe ermöglichen, ökonomisch tragfähig sind und rechtssicher umgesetzt werden können. Diesen interdisziplinären Ansatz möchte ich konsequent in unseren Forschungsprojekten integrieren.
Abgesehen von Akzeptanz, welche Themen sind aktuell wichtig für die Energiewende?
Wedell: Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist sehr weit vorangeschritten und Alles in Allem ein großer Erfolg. Nun rückend zunehmend neue Fragestellungen in den Fokus: Wie kann der erneuerbare Strom bestmöglich genutzt werden? Wie kann die Systemintegration der Erneuerbaren gelingen? Wie muss der künftige Investitionsrahmen, wie müssen Marktdynamiken aussehen? Wie ermöglichen wir mehr Teilhabe und Akzeptanz für die Transformation? Zu diesen und vielen weiteren Themen forschen wir am IKEM. Und mit diesem Wissen und unserer Expertise erarbeiten wir Vorschläge, damit die Energiewende eine Erfolgsgeschichte bleibt.
Welchen inhaltlichen Schwerpunkten widmet sich das IKEM ansonsten in diesem Jahr?
Wedell: Ein neuer Schwerpunkt in diesem Jahr ist das Thema Stadtplanung. Alle wichtigen Aspekte des Klimaschutzes – von der konkreten Umsetzung von Vorhaben zur Emissionsreduktion, etwa in der Wärmeversorgung, über die Neuorganisation von Mobilität, zum Beispiel mit autonomen Fahrzeugen, bis hin zur Anpassung an wärmere Temperaturen oder stärkere Niederschläge – sind essenziell für die Lebensqualität in der Stadt der Zukunft. Die Ergebnisse unserer Arbeit zu diesen und weiteren Themen werden wir bei der IKEM-Jahrestagung im Herbst 2026 vorstellen.