Stellungnahme zur Straßenverkehr-Fernlenk-Verordnung

„Meilenstein, aber kein Endpunkt“

ahoi autonomes Fahrzeug Hamburg

Mit der am 1. Dezember 2025 in Kraft getretenen Straßenverkehr-Fernlenk-Verordnung (StVFernLV) hat Deutschland erstmals einen Rechtsrahmen für den Betrieb von Kraftfahrzeugen mit ferngelenkter Fahrfunktion geschaffen. Eine ausführliche Stellungnahme des IKEM begrüßt die Einführung der Verordnung als wichtigen Schritt hin zum vollautomatisierten Fahren, stellt jedoch zugleich Anpassungsbedarfe fest.

Bei einem Fahrzeug mit ferngelenkter Fahrfunktion befindet sich die fahrzeugführende Person nicht mehr im Fahrzeug, sondern steuert es aus einem Leitstand über Funkverbindungen. Das ferngelenkte Fahren verspricht sowohl in der Logistikbranche als auch im Bereich des Carsharings und des öffentlichen Personennahverkehrs Vorteile – insbesondere mehr Flexibilität beim Fahrzeugeinsatz – und soll als Brückentechnologie den Weg zum vollautomatisierten Fahren ebnen.

Die StVFernLV regelt die Zulassung der Fahrzeuge mit ferngelenkter Fahrfunktion, technische Mindestanforderungen, Sicherheitsstandards und die Qualifikationen der fernlenkenden Personen. Die Stellungnahme kommt zu dem Schluss, dass die StVFernLV zwar Sicherheit und Rechtsklarheit für eine bislang nicht zulässige Technologie schafft, aber zentrale Potenziale ungenutzt bleiben:

  • Es fehlen Typgenehmigungen für Fahrzeugflotten mit ferngelenkter Fahrfunktion, was kostenintensive Einzelzulassungen erforderlich macht.
  • Es gibt keine Verzahnung mit bestehenden Regelungen für vollautomatisiertes Fahren, obwohl gerade die Kombination beider Technologien entscheidend für die Marktreife ist.
  • Die Verordnung formuliert hohe Anforderungen an Funkstabilität und Latenz, die den Einsatz im ländlichen Raum erschweren.

Nur durch eine zeitnahe Weiterentwicklung der Verordnung könne Deutschland seine führende Rolle im Bereich innovativer Mobilitätslösungen behaupten, erklärt Timon Plass, Wissenschaftlicher Referent und Themenbereichsverantwortlicher Autonomes Fahren am IKEM:

„Die StVFernLV ist ein Meilenstein, aber kein Endpunkt. Um die Chancen der Fernlenktechnologie in Kombination mit dem vollautomatisierten Fahren auszuschöpfen, müssen diese rechtlichen und technischen Hürden schnell abgebaut werden. Andernfalls drohen Wettbewerbsnachteile gegenüber Märkten wie den USA und China, in denen vollautomatisierte Fahrzeuge bereits im Regelbetrieb sind.“

Die Stellungnahme entstand im Rahmen des vom Bundesministerium für Verkehr geförderten Projekts „ahoi“, in dem das IKEM den Aufbau eines On-Demand-Angebots mit vollautomatisierten und manuell gesteuerten Fahrzeugen für den Hamburger ÖPNV begleitet.

Kontakt

Ansprechpartner:in für Presseanfragen

IKEM – Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V.

Publikation

Cover der Stellungnahme zur StVFernLV
Plass, Timon; Marenbach, Sarah; Riep, Robert

Stellungnahme zur Straßenverkehr-Fernlenk-Verordnung

Erstellt im Rahmen des Projekts ahoi.

Projekt

ahoi

Im Projekt ahoi begleitet das IKEM den Aufbau eines On-Demand-Angebots mit autonom und manuell gesteuerten Fahrzeugen für den Hamburger ÖPNV.

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