Biomethan-Blockheizkraftwerke (BHKW) können durch ihre flexible und bedarfsgerechte Stromerzeugung einen wichtigen Beitrag zu einer treibhausgasarmen und sicheren Energieversorgung leisten. Neue Studien des IKEM zeigen jedoch, dass komplexe rechtliche Rahmenbedingungen die Planung und Finanzierung von Biomethanprojekten erschweren können.
Mit dem Umbau des Energiesystems wächst die Bedeutung flexibel einsetzbarer erneuerbarer Energieträger. Biomethan kann gespeichert und bedarfsgerecht verstromt werden und eignet sich deshalb in Kombination mit der flexibel steuerbaren Fahrweise von BHKW zur Ergänzung eines Stromsystems, das zunehmend von Wind- und Solarenergie geprägt ist.
Da Biomethan nur begrenzt verfügbar und vergleichsweise kostenintensiv ist, begrenzt das EEG die Förderung auf 876 Vollaststunden, damit der Energieträger möglichst flexibel und systemdienlich eingesetzt wird. Die Wirtschaftlichkeit von Biomethan-BHKW wird darüber hinaus maßgeblich durch rechtliche und regulatorische Vorgaben bestimmt.
Die beiden jetzt veröffentlichten Studien des IKEM analysieren diese regulatorischen Anforderungen erstmals systematisch und entlang der gesamten Biomethan-Prozesskette – von der Biogaserzeugung über die Aufbereitung und den Transport bis zur Nutzung des Biomethans. Während die erste Studie die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb hochflexibler Biomethan-BHKW, die Fördermechanismen nach EEG und KWKG sowie aktuelle Entwicklungen im Netzregulierungsrecht untersucht, analysiert die zweite Studie die rechtlichen Faktoren, die die Preisbildung von Biomethan beeinflussen. Betrachtet werden unter anderem Anforderungen an Gasqualität und Nachhaltigkeit, Nachweispflichten, Netzentgelte, Umlagen, Steuern sowie emissionsrechtlichen Regelungen.
Die beiden Papiere seien eine wichtige Orientierungshilfe für Anlagenbetreibende und die Biomethan-Branche, erklärt Studienautorin Leonie Durschang. Gleichzeitig weist Sie auf dringende Anpassungs- und Klärungsbedarfe hin:
„Die vorliegenden Studien schaffen Transparenz über die regulatorischen Anforderungen für Biomethan. Sie zeigen aber auch auf, dass der derzeitige Rechtsrahmen zu komplex ist und an verschiedenen Stellen Unklarheiten aufweist. Dies betrifft insbesondere die Frage des zulässigen Einsatzes anderer Energieträger außerhalb der förderfähigen Vollaststunden, die Behandlung von Biomethan-BHKW bei Redispatch-Maßnahmen sowie einzelne Übergangs- und Nachweisregelungen im Gas- und Nachhaltigkeitsrecht. Diese Rechtsunsicherheiten können die Planungs- und Investitionssicherheit von Marktakteuren beeinträchtigen.“
Die beiden Studien entstanden im Rahmen des vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat geförderten Projekts BioM0876 (Förderkennzeichen 2221NR085B). Ziel des Vorhabens ist es, die Grundlagen für einen wirtschaftlichen Betrieb von Biomethan-BHKW unter den Förderbedingungen des EEG 2023 zu ermitteln und die Weiterentwicklung des Biomethanmarktes zu unterstützen.