Eine neue IKEM-Studie zum Rechtsrahmen für die Zertifizierung von erneuerbarem Methanol zeigt: Erneuerbares Methanol bietet erhebliche Potenziale für die Dekarbonisierung der Industrie- und Energiesektoren – doch regulatorische Lücken in Hinblick auf die Anrechnung auf europäische und nationale Klimaziele erschweren derzeit die Etablierung dieses Energieträgers.
Methanol kann aus Biomasse oder durch strombasierte Synthese aus grünem Wasserstoff und CO₂ hergestellt werden. Je nach Herstellungsart und Einsatzbereich wird es rechtlich als Biokraftstoff, flüssiger Biobrennstoff oder als erneuerbarer Kraftstoff nicht biogenen Ursprungs (RFNBO) eingestuft. Jede Kategorie unterliegt eigenen Nachhaltigkeits- und Treibhausgaseinsparungskriterien. Nur Methanol, das diese Vorgaben erfüllt, kann auf die EU-Zielvorgaben für erneuerbare Energien und die nationale Treibhausgasminderungsquote angerechnet werden.
Für die Studie wurden die einschlägigen Vorgaben der Erneuerbare-Energien-Richtlinien RED II und RED III sowie deren Umsetzung in deutsches Recht analysiert. Dabei wird deutlich:
- Ohne Nachweisführung im Rahmen anerkannter Zertifizierungssysteme kann selbst treibhausgasneutral erzeugtes Methanol rechtlich nicht als Beitrag zur Zielerreichung gewertet werden.
- Die von der RED vorgesehenen Strukturen sind bislang unvollständig: Die Unionsdatenbank wurde bislang nur für Biokraftstoffe in Betrieb genommen, nicht aber für strombasiertes Methanol und andere RFNBO.
- Auf nationaler Ebene fehlt ein RFNBO-Register, das für die Nachweisführung und das Inverkehrbringen von strombasiertem Methanol in Deutschland notwendig ist.
Insgesamt seien die regulatorischen Strukturen derzeit noch zu lückenhaft, um Investitionen in diese klimafreundliche Technologie anzureizen, erklärt Studienautorin Rosa von der Stein:
„Damit erneuerbares Methanol sein Potenzial für die Energiewende entfalten kann, müssen Zertifizierung und Nachweisführung rechtssicher und praktikabel gestaltet werden. Die Anpassung der nationalen Regelungen an die RED III und die Einführung eines RFNBO-Registers sind zentrale Schritte, um den Kraftstoff als Baustein der europäischen und nationalen Klimastrategie zu etablieren.“
Die Studie entstand im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Projekts biogeniV und des Verbundprojekts Anklamer EnergieRegion (AnkER).